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12. Januar 2022 um 14:16 Uhr 6 Minuten

G8 im Saarland vor dem Aus : Warum die Saar-CDU nun doch zu G9 zurück will – und wie die SPD darauf reagiert

Alles deutet daraufhin, dass im Saarland das Abitur nach acht Jahren an Gymnasien vor dem Aus steht. Nachdem sie sich über Jahre gegen eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen hatte, vollführte die Saar-CDU am Mittwoch eine Rolle rückwärts – kurz vor der Landtagswahl.

Von Teresa Prommersberger

Redakteurin Land/Landespolitik

Woran merkt man, dass Wahlkampf ist? Es wird wieder über G8/G9-Bildung diskutiert. 20 Jahre nach Einführung des „Turbo-Abiturs“ nach acht Jahren an den saarländischen Gymnasien ist diese Debatte aber recht ermüdend. Dessen ist sich wohl auch die Saar-CDU bewusst – und überrascht nach jahrelanger Blockadehaltung.

 Die Christdemokraten eröffneten am Mittwochmorgen den Wahlkampf im Bildungsbereich für die Landtagswahl im März. Sie wollen zurück zum Abitur nach neun Jahren an Gymnasien, das an den Gemeinschaftsschulen ebenso wie an den beruflichen Schulen die Regel ist. Das Wort „G9“ fällt aber nicht. Stattdessen nennt es die CDU eine „Qualitätsoffensive plus“ – mit drei Aspekten: „mehr Qualität“, „mehr Profil“ und „mehr Zeit“. CDU-Landeschef und Ministerpräsident Tobias Hans sagte: „Wir geben Schülerinnen und Schülern wieder mehr Zeit zum Lernen, zum Arbeiten und zum Forschen.“ Er begründete das zusätzliche Lernjahr mit Herausforderungen wie Digitalisierung, Globalisierung, Mehrsprachigkeit und Nachhaltigkeit. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Welt stark verändert. „Ein gutes und breites Bildungsfundament braucht Zeit zum Wachsen. Stärken und Talente brauchen Zeit zur Entfaltung. Persönlichkeit braucht Zeit zum Reifen.“

 
Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch stellte CDU-Landeschef und Ministerpräsident Tobias Hans die „Qualitätsoffensive plus“ für Schulen im Saarland vor. Mit dabei die CDU-Landtagsabgeordneten  Frank Wagner und Jutta Schmitt-Lang (v.l.). Foto: BeckerBredel
 

 Dabei ist es mit der Zeit so eine Sache. Jahrelang wollte die CDU nicht von diesem, ihrem Plan abweichen. Das Saarland hatte G8 2001 als erstes westliches Bundesland unter CDU-Bildungsminister Jürgen Schreier eingeführt. Wirklich glücklich damit war aus der Schulgemeinschaft niemand. Der Verband der Gymnasiallehrer hatte das Turbo-Abi erst zähneknirschend, später aber fast geräuschlos mitgetragen. Schüler und Eltern hatten unter dem fehlenden Jahr geächzt, bis auf einige Debatten kam jedoch nichts dabei rum.

 Bis zum Jahr 2017 – vermeintlich. Im Wahlkampf für die damalige Landtagswahl hatte SPD-Landeschefin Anke Rehlinger angedeutet, zu G9 an Gymnasien zurückkehren zu wollen. Allerdings konnte sich die große Koalition später nicht darauf einigen, hatte das Thema an eine Expertenkommission abgeben, die wiederum die Diskussion nur marginal behandelte.  Zur „Wahrung des Schulfriedens“ zwischen den Schulformen hatte die Regierung das Thema dann vorerst zu den Akten gelegt.

Lange Debatte um G8 oder G9 im Saarland

 2018  startete die Elterninitiative „G9-jetzt!“ das G9-Volksbegehren, initiiert von der inzwischen  Vorsitzenden der Landeselternvertretung der Gymnasien (LEV Gym), Katja Oltmanns. Allerdings hatte die Initiative nur etwa die Hälfte der erforderlichen 54 000 Stimmen erreicht. 2019 legte die LEV mit einer Umfrage unter Eltern nach, in der sich eine „überdurchschnittlich hohe Anzahl an Erziehungsberechtigten“ für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen hätten. Auch im Zuge der Pandemie ab 2020 hatte die LEV wiederholt die Krise dafür genutzt, ihre Forderung nach G9 zu wiederholen.

 Unterdessen war und sind Corona und die Folgen für Kinder und Jugendliche immer wieder Thema auch im Landtag. Und damit auch wieder die Diskussion über eine längere Schulzeit. Für die SPD-Fraktion ist es wichtig, „dass wir die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium gemeinsam betrachten“, wie deren Bildungspolitiker Jürgen Renner sagte. „Unser Ziel ist die Gleichwertigkeit beider Schulformen.“ Man dürfe die Schulformen, auch die beruflichen Schulen, nicht gegeneinander ausspielen.

 Die CDU-Fraktion pochte auf eine „seröse Diskussion“, in der es vor allem eine „Profilschärfung“ gehen sollte.  „Zuerst müssen wir darüber reden, was und warum wir es brauchen. Wenn sich dann herausstellt, dass mehr Zeit nötig ist, stehen wir dem nicht entgegen“, sagte Bildungspolitiker Frank Wagner in einer Plenarsitzung. Eine Wahlmöglichkeit an den Gymnasien wie sie etwa die Linksfraktion und die AfD gefordert hatten, lehnte er allerdings ab. „Eine Wischiwaschi-Lösung darf es nicht geben“ – sprich entweder G8 oder G9.

CDU will G9 ab 2023/24 – auch wenn es nicht so heißt

Nun sind am Mittwochmorgen bei der CDU die Würfel gefallen: G9 – auch wenn es nicht so heißt. Das Konzept sieht vor, dass die Profile der weiterführenden Schulen, Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Berufsschulen, „geschärft“ werden, betonten Landeschef Hans, Wagner und die Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang. Eltern könnten derzeit kaum Unterschiede erkennen, kritisierten sie.  Für das Gymnasium hieße eine Schärfung konkret: der Fokus soll auf die Vorbereitung zum Studium liegen, die Hauptfächer und der Fremdsprachenunterricht soll gestärkt werden, ebenso die naturwissenschaftlichen Fächer. Außerdem soll Informatik bereits ab Klasse 5 unterrichtet werden, und nicht wie von SPD-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot geplant ab Klasse 7. „Alles andere ist zu spät“, sagte Hans.

 Die Rückkehr zu G9 an Gymnasien sei zum Schuljahr 2023/24 geplant, sagte Jutta Schmitt-Lang. Rund 100 zusätzliche Lehrer seien zur Umsetzung notwendig. Kosten pro Jahr: etwa sechs Millionen Euro.

 Das Konzept für die Gymnasien ähnelt stark dem „Gymnasium Plus“ des saarländischen Philologenverbands. Dieser hatte bereits Ende 2020 seinen Fahrplan zur Weiterentwicklung des Gymnasiums vorgestellt – unter anderem mit einem zusätzlich Lernjahr, Mehrsprachigkeit und Informatik ab Klasse 5.

 In den Gemeinschaftsschulen soll der  Fokus dagegen auf die Vorbereitung zur Ausbildung gelegt werden, erklärten die Christdemokraten. Ab Klassenstufe 7 soll in „unterschiedlichen Lernniveaustufen“ in kleineren Gruppen unterrichtet werden, ab Klasse 9 sollen die Schüler durch ein spezielles Förderkonzept besser auf die Oberstufe vorbereitet werden. Für die beruflichen Schulen wiederum will die CDU ein Institut für berufliche Bildung auflegen, für eine stärkere Vernetzung von Schulen, Ausbildungsbetrieben und Kammern.

Rehlinger mit hämischem Glückwunsch

 Eine Reaktion auf den CDU-Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. „Herzlichen Glückwunsch, es ist ja nie zu spät zum Dazulernen. Hätten wir auch in dieser Legislatur schon ändern können. Aber Wahlkampf ist natürlich auch schön“, sagte Anke Rehlinger. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon teilte mit: „Die CDU gesteht einen Fehler ein und übernimmt die SPD-Position: Gut so. Schlecht, dass die Kehrtwende 74 Tage vor der Landtagswahl offensichtlich taktisch motiviert ist.“

 Bildungsministerin Streichert-Clivot sagte: „Wir sind für eine Rückkehr zu G9 am Gymnasium offen, das ist klar – auch im Sinne der Gleichwertigkeit von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien.“ Dafür müssten aber die Voraussetzungen geschaffen werden. In erster Linie seien „weiter hohe Investitionen in zusätzliches Personal und auch Schulräume, also ein Bauprogramm, nötig“. In den vergangenen Jahren „haben wir immer wieder hart um zusätzliche Lehrkräftestellen mit dem Finanzministerium ringen müssen“.

 Neben der SPD und nun auch der CDU hatten sich auch Grüne, FDP und Linke für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen.

Von Anfang an umstrittene Reform

Doch "G8" war und ist umstritten - und augenblicklich sieht es so aus, als könnte es bald wieder zurück zu G9 gehen - wie es die Landeselternvertretung Gymnasien und der Philologenverband schon länger fordern.

Am 2. August 2001 trat eine Bildungsreform in Kraft, über die sich die Beteiligten auch heute noch trefflich streiten können: die Verkürzung der Gynmasialzeit von neun auf acht Jahre - kurz G8. Eine Bilanz.

https://www.sr.de/sr/suche.jsp?pfad=%2Fsr%2Fhome&phrase=g8

G8, Abitur nach acht Jahren Gymnasium, nach zwölf Jahren Schulezeit. Ministerpräsident Peter Müller erklärte vor 20 Jahren, warum diese Schulreform nötig sei: "Wir brauchen länger bis zum Abitur, bis zum Studienabschluss als viel andere europäische Länder. Das bringt Wettbewerbsnachteile und die wollen wir ausgleichen."

Der damalige Kultusminister Schreier: "Keine Nachteile gegenüber G9"

Kultusminister Jürgen Schreier ging es darum, das erste westliche Bundesland zu sein, das G8 einführte - in Sachsen und Thüringen galt das schon seit Ende der 40er Jahre.

 
 

Schreier und das Saarland waren die ersten - obwohl erst nur der Lehrplan für die fünfte Klasse fertig war und nach und nach die anderen überarbeitet wurden - lautete sein Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit.

Schreier sah ein paar Jahre später keine Nachteile gegenüber G9: "Weder die Sitzenbleiberquoten, noch die Abbrecherquoten haben sich gegenüber dem neunjährigen Gymnasium verändert."

Philologenverband: "Eine Erfolgsgeschichte"

Markus Hahn, der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbandes sieht das Ganze rückblickend vor allem aus Sicht eines zufriedenen Gymnasiallehrers: "Das achtjährige Gymnasium im Saarland ist eine Erfolgsgeschichte. Diese Erfolgsgeschichte ist möglich geworden, weil die Lehrerinnen und Lehrer im Saarland die Einführung des achtjährigen Gymnasiums zur Modernisierung und grundlegenden Erneuerung des gymnasialen Bildungsgangs benutzt haben."

Landeselternvertretung: "Ziele nicht erreicht"

Ganz anders sieht das die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien, Katja Oltmanns. Die im Gesetzestext formulierten Ziele seien nicht erreicht worden: "Das stand zum Beispiel drin, dass man innerhalb der kürzeren Lernzeit am Gymnasium eine Qualitätssteigerung erreichen wollte. Ich glaube, rückblickend feststellen zu können, dass man das auf jeden Fall nicht erreicht hat."

Seit Jahren macht die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien, Katja Oltmans, gegen G8 mobil. Sie führt dabei vor allem drei Argumente an: Bei einer Umfrage unter Eltern im Jahr 2019 hätten sich 85 Prozent für ein neunjähriges Gymnasium ausgesprochen. Zum zweiten seien durch den hohen Unterrichtsausfall und dem "schlecht funktionierenden Wechselunterricht" aufgrund der Coronapandemie große Lerndefizite entstanden. Und ein weiteres Argument sei die Einführung der Informatik als eigenes Schulfach.

Roman Herzog: "Gestohlene Lebenszeit"

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hatte damals harte Worte gefunden für unser Schulsystem: "Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leuten in diesem System verloren gehen, Jahre, die man als gestohlene Lebenszeit bezeichnen muss."

Amtierende Bildungsministerin Streichert-Clivot: "Mehr Druck auf den Schultern"

Das sollte G8 ändern - doch damit einher ging für viele verlorene Lebensqualität. Die heutige Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot formuliert es so: "Es gibt bis heute erhebliche Kritik daran, dass die Schulzeit für junge Menschen verkürzt worden ist und dass damit auch erhebliche mehr Druck auf den Schultern der Schülerinnen und Schüler lastet. Aus diesem Grund kann man sagen, dass eigentliche Ziel, junge Menschen früher mit einem Abitur auf einen Arbeitsmarkt zu bringen, hat nicht zum Erfolg geführt."

Deshalb gehört auch sie zu denen, die eher skeptisch auf 20 Jahre G8 im Saarland zurück blicken: "Ich glaube, auch 20 Jahre nach Einführung des G8 kann man nach wie vor nicht davon sprechen, dass diese Reform eine Erfolgsgeschichte ist."

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