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Elterninitiative für G 9 und Philologenverband widersprechen Studie der Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft". Kiel fühlt sich im Kurs bestätigt.

 

 

Eine gestern in Berlin veröffentlichte Studie, wonach das Turbo-Abi für Schüler weder mehr Stress verursacht noch schlechtere Leistungen hervorbringt als ein neunjähriger Weg zum Abitur, stößt im Norden auf entschiedenen Protest von Elternitiative und Philologenverband. Das Kieler Bildungsministerium sieht sich dagegen in seiner Politik bestätigt.

Der Bildungsmonitor der Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ dürfte die Debatte über Sinn und Unsinn des Turbo-Abis kurz vor Beginn des neuen Schuljahres neu beflügeln. Laut Studie sind Schüler nach achtjähriger Gymnasialzeit genauso erfolgreich wie G 9-Gymnasiasten. Auch beim Vergleich der Lebenszufriedenheit und dem außerschulischen Engagement gab es so gut wie keine Unterschiede. Die Forscher stellten lediglich fest, dass G 8-Schüler weniger Zeit zur Verfügung haben. „Die Leistungsvergleiche zwischen beiden Gruppen sind spektakulär unspektakulär“, heißt es am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, das die Untersuchung durchführte.

„Wir sind ganz anderer Auffassung“, sagt Astrid Schulz-Evers, Vorsitzende der schleswig-holsteinischen Elterninitiative. Ihr Verein habe weiterhin reichlich Rückmeldungen von Eltern, die empört über die Arbeitsverdichtung von G 8-Schülern sind. „Der Druck ist mittlerweile so hoch, dass es zu Reibereien unter Schülern kommt“, behauptet Schulz-Evers. Die neue Studie hält sie für ein schlechtes Zusammentragen alter Untersuchungen. „Warum müssen Vereine denn Jugend-Fußballabteilungen schließen, warum beklagen Feuerwehren und Musikschulen mangelnden Zulauf?“, fragt Schulz-Evers. Die Initiative fordert die Landesregierung erneut auf, G 9 als Standardangebot dauerhaft an allen Gymnasien im Land vorzusehen.

Auch der Philologenverband, Interessenvertretung der Gymnasiallehrer, spricht von „kühnen Interpretationen“ in der Studie. Die Beobachtungen an den Schulen seien andere: „Einer breiten Schicht von Jugendlichen fehlt die Zeit für ein außerschulisches Engagement“, sagt Verbandschef Helmut Siegmon. Dass Noten von G<TH>8-Schülern nicht auffallend schlechter ausfielen, sei der Aufweichung von Standards zuzuschreiben. Nach Ansicht von Siegmon fehlt vielen G<TH>8-Schülern die nötige Reife. „Sonst müssten Hochschulen keine Nachhilfekurse anbieten.“

„Wir fühlen uns darin bestätigt, beide Wege anzubieten“, kommentiert Thomas Schunck, Sprecher im Kieler Bildungsministerium, das Ergebnis…. Anderswo wird die Uhr zurückgedreht: Niedersachsen kehrt ab 2015 auf Druck von Eltern zum neunjährigen Gymnasium zurück. In Hamburg findet im September eine Volksinitiative statt.

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Studie-Turbo-Abi-erzeugt-keinen-Extra-Stress-fuer-Schueler

 

Im Spiegel räumten die IW-Forscher jedoch ein: "Eine umfassende wissenschaftliche Evaluation der Wirksamkeit der G8-Reform auf die Bildungsergebnisse fehlt bislang."

 

Saarbrücken

(Veröffentlicht am 21.08.2014)


 Saarbrücken. Die Verkürzung der Schulzeit in den Gymnasien hat dazu geführt, dass die Kinder weniger wissen, da ist sich der Ulmer Gehirnforscher Professor Manfred Spitzer (Foto: dpa) sicher. In der Sendung „Exclusiv im Ersten: Viel gepaukt – wenig behalten? Warum Das Turbo-Abi (G8) auf der Kippe steht“, die das Erste am Samstag zeigt, kritisiert Spitzer die G8-Reform. Der gesamte Lernstoff werde in zu kurzer Zeit „in die Gehirne der Kinder gepresst“, sagt er in dem ARD-Film des Saarländischen Rundfunks. Das funktioniere aber gehirnphysiologisch nicht. Gelerntes müsse wiederholt und geübt werden, damit es sich auch im Langzeitgedächtnis festsetze. Ohne diese Wiederholungen sei der Lernstoff „nach sechs Wochen wieder vergessen.“ Spitzers Fazit: „G8 war keine gute Reform.“