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Das Interview führte Katrin Krips-Schmidt mit Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

 

Herr Kraus, in den letzten Tagen und Wochen rumort es wieder einmal rund um Schülerstress, einheitliche Bildungsstandards, Inklusion und Zentralabitur. Braucht die Bundesrepublik eigentlich diese ständigen Diskussionen um Verbesserungen ihres einst so hervorragenden Bildungssystems? Und vor allem: hat das Schulsystem grundlegende Reformen tatsächlich nötig?

Meine Antwort mag platt klingen, aber sie ist sehr ernst gemeint: Mal keine Schulreform, das wäre doch einmal eine Reform! Ich will damit sagen: Unsere 42.000 Schulen in Deutschland brauchen endlich Zeit zur Konsolidierung. Wir dürfen unsere Schulen nicht von einem Durchlauferhitzer in den nächsten schieben und nicht von einer Reform der Reform in die nächste Reform der Reform der Reform bugsieren. Dabei sind die von Ihnen genannten Reformen, die sich oft genug als Deformen entpuppen, noch lange nicht alles, was derzeit über unser Schulwesen herunterprasselt. Ich nenne mal weitere Themen, denen die Schulen ausgesetzt sind: die „Erfindung“ einer Gemeinschaftsschule, die angeblich jetzt alle Versprechen einlöst, die die Gesamtschule nicht eingelöst hat; ein achtjähriges statt eines neunjährigen Gymnasiums oder auch beides zusammen; permanente Reform der gymnasialen Oberstufe; die Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule; der Fetisch der Testeritis; die regelmäßige Änderung der Regeln für den Übertritt an weiterführende Schulen; die phonetische Schreibweise statt der regulären Rechtschreibung; die Abschaffung der lateinischen Ausgangsschrift. Da kann ich nur bitten: Lasst die Schulen doch endlich ihre Arbeit machen, statt sie durch Reformen mit immer kürzerer Halbwertszeit zu jagen.

Was steckt denn hinter dieser Reformitis?

Dahinter stecken manche Illusionen, wenn nicht gar Wahnvorstellungen. Zum einen der Egalisierungswahn, die Ideologie nämlich, dass alle Menschen, Strukturen, Werte und Inhalte gleich bzw. gleich gültig seien; dann der Machbarkeitwahn, der Wahn, jeder könne zu allem begabt werden; drittens der Wahn einer Spaß-, Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik; viertens ein Quotenwahn, die planwirtschaftliche Vermessenheit nämlich, es müssten möglichst viele Menschen mit dem Abitur-Zeugnis ausgestattet werden; und schließlich der Beschleunigungswahn, die Vision also, man könne in immer weniger Bildungsjahren zu besser gebildeten jungen Leuten und zu einer gigantisch gesteigerten Abiturientenquote kommen. Seitens der Reformer aus Schulpolitik kommt noch ein wahltaktisch motivierte Gefälligkeitspolitik und seitens der Exponenten der Schulpädagogik ein gewisses Profilierungsgehabe dazu. Als Tiefenpsychologe würde ich anfügen: Bildungspolitik wird mehr zu einer neuen Form von Ersatzreligion. Denn PISA, BOLOGNA und Co. sind manchmal nicht mehr Erkenntnis, sondern schier pseudoreligiöse Vision diesseitiger totaler Gerechtigkeit.

Meldungen über die Reform der Lehrerausbildung, denen zufolge es nach den Vorstellungen einer von der Landesregierung von Baden-Württemberg eingesetzten Expertenkommission künftig keine eigene Ausbildung von Gymnasiallehrern mehr geben solle, sorgen für Aufregung nicht nur unter bildungsnahen Eltern, sondern auch unter Verbandsvertretern. Worum geht es bei dieser Reform, und worauf zielt die Institution eines „Einheitslehrers“ ab?

Was heißt das Expertenkommission? Diese Gruppe wurde von der damaligen grünen Berliner Schulsenatorin Volkholz geleitet. Da war vorher schon klar, was herauskommt, nämlich ein Akklamationsprogramm für die grün-rote Schulpolitik in Baden-Württemberg. Eine Egalisierung aller Lehrämter ohne Rücksicht auf die Schulform, an der die angehenden Lehrer unterrichten sollen, ist aber ein Einstieg in die Abschaffung der Schulformen und deren klammheimliches Ersetzen durch eine verbal zur Gemeinschaftsschule gewandelten Einheits- und Gesamtschule. Ein Gymnasium im herkömmlichen Sinn als Schulform der Vermittlung der Allgemeinen Hochschulreife kann man mit solchen Lehrern nicht mehr betreiben. Aber das dürfte durchaus der Zweck des Unternehmens sein.

Welche weiteren Anzeichen für eine „heimliche“ Abschaffung des Gymnasiums gibt es?

Jede Menge! Ganz boshaft formuliert und den Advocatus Diaboli linker Schulpolitik spielend, sage ich: Wenn ich das Gymnasium klammheimlich beseitigen wollte, würde ich genauso verfahren wie die diversen rot-grünen Landesregierungen. Direkt an das Gymnasium und seinen klingenden Namen würde ich nicht herangehen. Das ist in den vergangenen vier Jahrzehnten nicht gelungen und wird nicht gelingen. Aber auf dem Weg einer inneren Entkernung kann man das Gymnasium de facto auch abschaffen. Und der Normalbürger lässt es über sich ergehen.

Was meinen Sie mit Entkernung des Gymnasiums?

Über die Abschaffung einer genuinen Gymnasiallehrerausbildung hinaus zweitens die Angleichung der Lehrpläne der Schulformen aneinander. Drittens die Freigabe des Elternwillens bei der Wahl der weiterführenden Schulform. Viertens der inhaltliche Nihilismus der Lehrpläne, die ohne Inhalte zu kompetenzorientierten Leerplänen verkommen. Fünftens die immer wieder aufflammenden Initiativen zur Verlängerung der Grundschule. Sechstens die Abschaffung des Sitzenbleibens. Siebtens die Atomisierung des Gymnasiums in ein parallel laufendes G8 und ein G9. Achtens die Inflation guter und sehr guter Abiturnoten. Bildhaft ausgedrückt: Aus der Eiche Gymnasium wird mehr und mehr ein Bonsai-Gymnasium. Und aus dem Bildungsziel des Gymnasiums, nämlich der Vermittlung von Studierfähigkeit, wird mehr und mehr die Vergabe einer Studierberechtigung. Abitur-Vollkasko-Anspruch nenne ich das.

Wird es in Bayern – das ja derzeit den einzigen Kultusminister aus den Reihen der Union stellt – einen Sonderweg geben oder wird man sich hier an Standards der übrigen Bundesländer angleichen? Mit anderen Worten: Deuten sich diese Tendenzen bereits in Bayern an?

Die CDU hat keinerlei schulpolitischen Gestaltungwillen mehr. Das erkennt man am deutlichsten daran, dass die CDU-Vorsitzende zwar auf „Bildungsnation“ macht, alle CDU-geführten Landesregierungen das Schulressort aber an den kleinen Koalitionspartner abgegeben haben. Man beachte: Es gibt derzeit keinen CDU-Schulminister mehr in Deutschland. Da kann ich nur hoffen, dass Bayern seinen eigenen Weg geht. Von Kompromissen  Bayerns mit anderen Ländern etwa in Sachen Bildungsstandards oder Abituraufgaben halte ich nichts, denn da kommt eh nur der Kompromiss des Kompromisses des Kompromisses heraus.

Was können Eltern – vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Lehrerverband und anderer Verbände - dagegen tun?

Die Eltern und die Lehrer müssen auf die Barrikaden gehen. Das Beispiel Hamburgs aus dem Jahr 2010 zeigt, dass es einer flotten und mutigen Initiative gelingen kann, ein verrücktes schwarz-grünes Schulgesetz mit einer sechsjährigen Grundschule und einem auf sechs Schuljahre verkürzten Gymnasium hinwegzufegen. Dergleichen brauchen wir wieder und wieder. Am besten gleich in Baden-Württemberg, wo von einer hochideologisierte grün-roten Schulpolitik die zusammen mit Bayern eingenommene Spitzenstellung des dortigen Schulwesens untergraben, ja beseitigt wird.

Warum aber ist es so schwer, solche Revolten zustande zu bringen?

Weil wir tagtäglich konzertierte Aktionen von links orientierten Medien, Parteien, so genannten Bildungswissenschaftlern, der OECD und der Bertelsmann-Stiftung haben, die kein gutes Haar am differenzierten deutschen Schulwesen lassen. Es sind regelrechte Zitierkartelle, die sich gegenseitig protegieren. Gegen die dort propagierte Mischung aus Ungerechtigkeitsalarmismus und Schulromantik kommt der Normalbürger nicht an. Ja mehr noch: Er fällt auf die Gefälligkeitspolitik der Erleichterungspädagogik herein. Dies zu knacken wäre der Job einer bürgerlichen Partei, die wir im Moment aber nicht haben. Und es wäre die Verantwortung der Wirtschaft zu sagen, dass das differenzierte deutsche Schulwesen vor allem aufgrund seines weltweit einmaligen Berufsbildungssystems der Grund ist, warum Deutschland zusammen mit Österreich und der Schweiz die niedrigsten Quoten an arbeitslosen jungen Menschen hat. Das sind die entscheidenden bildungs- und übrigens auch sozialpolitischen Daten.

 

Deutschlandfunk vom 6. März 2008

Erfahrungen mit dem G8

Interview mit Josef  K r a u s , Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)

LIMINSKI: Laut Kultusministerkonferenz soll das Turboabitur erleichtert werden. Wie, das bleibt den Ländern überlassen und wahrscheinlich auch den Lehrern mit ihren Schülern. Darüber wollen wir nun reden mit Josef  Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes und Direktor eines Gymnasiums in Bayern. Er ist in Theorie und Praxis mit diesem Thema vertraut. Guten Abend, Herr Kraus.

KRAUS: Guten Abend, Herr Liminski.

LIMINSKI: Herr Kraus, wie sind denn Ihre Erfahrungen mit dem G8-Abitur?
 
KRAUS: Ziemlich durchwachsen, wenn ich die Schülerschaft meines eigenen Gymnasiums anschaue und meine Erfahrungen mit denen anderer Direktoren und Lehrern an Gymnasien vergleiche. Nach vier Jahren Erfahrung damit, muss man sagen, in einigen Bundesländern kommt ein vorderes Drittel der Schülerschaft damit ganz gut klar. Das sind die, die einfach schneller auffassen, die belastbarer sind, die kaum Hausaufgaben brauchen und kaum lernen müssen. Dann gibt es ein mittleres Drittel, das hat schon zu knabbern. Und dann gibt es ein schwächeres, langsameres Drittel, die leiden schon sehr darunter. Wenn ich mir diese drei Drittel anschaue, dann will es mir gar nicht so richtig in den Kopf, wie man unter diesen Bedingungen auch noch die Abiturientenquote erhöhen möchte, ohne das Niveau zu senken.
 
LIMINSKI: Was verlieren denn die Schüler, wenn sie ein Jahr weniger zur Schule gehen?
 
KRAUS: Es wird gemeinhin gesagt, es wäre ein Gewinn im Zuge von Globalisierung, und das ganze ist ja einem Beschleunigungswahn unterworfen. Es ist aber ein Verlust an kindlicher Entwicklung, für viele Kinder zumindest. Wir haben heutzutage 12-Jährige, die zwei Pflichtnachmittage haben, das bedeutet, dass sie gerade an einem Landgymnasium um 7 Uhr außer Haus gehen und um 17.30 Uhr nach Hause kommen und dann möglicherweise auch noch ein bisschen was für die Schule tun müssen. Das ist an zwei Tagen der Fall. Solche Kinder nehmen sich kaum noch Zeit, um in die Musikschule zu gehen, weil das dann ein dritter Nachmittag ist, kaum noch Zeit in eine kirchliche oder in eine Vereinsgruppe zu gehen oder Fußball zu spielen. Solche Kinder nehmen sich auch kaum noch die Zeit - und das ist ein großer Verlust für die Schulkultur - für Schultheater oder Kleinkunstbühne, Chor, Orchester oder Jugend forscht. Da geht sehr viel verloren an wichtigen Entfaltungsmöglichkeiten und an wichtigen Anregungen.

 
LIMINSKI: Was sagen denn die Schüler selbst darüber? Vielleicht wäre ja der eine oder andere ganz froh, ein Jahr weniger zur Schule zu gehen.
 
KRAUS: Also, wenn man in der Schülerschaft eine Umfrage machte, dann würde das wahrscheinlich mit 90 Prozent gegen das G8 ausgehen. Interessant ist ja auch, wenn ich Schüler, die älteren Schüler des G9 frage: "Na, was haltet ihr denn vom G8?" Dann  sagen sie fast einmütig und im Chor: "Die tun uns leid! Die tun uns leid, weil sie einfach bereits mit zwölf Jahren keine Freizeit mehr haben, wie wir sie hatten." Die Schüler selbst specken halt Freizeitaktivitäten und auch wichtige kulturelle Aktivitäten ab und sagen, ja gut, ich kann nicht mehr in den Sportverein gehen. Fußballtrainer, Kadertrainer haben mir gesagt, früher hatte man unter zwölfjährigen Kaderspielern ein Drittel Hauptschüler, ein Drittel Realschüler und ein Drittel  Gymnasiasten. Die Gymnasiasten bleiben weitestgehend weg, an meiner eigenen Schule haben wir fünf musikalische Klangkörper. Im Moment sind sie noch ziemlich professionell, weil sie getragen werden von den älteren Schülern, nämlich den G9-Schülern, aber von unten her haben wir einen Rückgang, was Anmeldezahlen betrifft, was Nachwuchs betrifft, so 60 bis 70 Prozent.
 
LIMINSKI: Hat das nicht auch mit der Demographie zu tun, dass es überhaupt weniger Schüler gibt?
 
KRAUS: Nein, das ist ja am Gymnasium in Westdeutschland noch nicht angekommen, wir haben sogar zunehmende Schülerzahlen. In meiner eigenen Schule haben wir innerhalb von zwei Jahren einen Zuwachs von 800 Gymnasiasten auf 930 Gymnasiasten. Also demographische Gründe können es nicht sein. Die unteren Jahrgangsstufen in der Unterstufe des Gymnasiums sind in Westdeutschland immer noch sehr stark, stärker als die in der Mittelstufe oder in der Oberstufe.
 
LIMINSKI: Das Abitur nach zwölf Jahren hat in einem Teil Deutschlands Tradition, nämlich in den neuen Bundesländern. War das nicht ein Vorteil?
 
KRAUS: Ja nun, das ist ja keine ostdeutsche Erfindung, das Zwölfjahresabitur, sondern es ist im Grunde genommen eine Erfindung - wenn man will - des Jahres 1938, weil die Nationalsozialisten mit einem Schlag zwei Abiturjahrgänge, sprich: zwei Offiziersjahrgänge, haben wollten. In Ostdeutschland hat man DDR-Schule von der Zeitdauer her fortgesetzt, allerdings in einem zum Teil anderen Ansatz,  als wir dann das in Westdeutschland gemacht haben. In Westdeutschland übrigens kam ja 1951 wieder die 13jährige Schulzeit bis zum Abitur. In Ostdeutschland hat man insbesondere in der Oberstufe draufgesattelt, in Westdeutschland hat man vor drei, vier Jahren mit der Einführung des G8 bereits in der Unterstufe ziemlich draufgesattelt. Und dann muss man natürlich mit dazu sagen, wenn man mit der DDR vergleicht, die DDR hatte 8 Prozent Abiturientenquote. Jetzt ist die Vorgabe und der Wunsch der Bundesregierung und vieler Landesregierungen eine Quote von 40 Prozent. Das passt nicht zusammen.
 
LIMINSKI: Aber mit PISA ist auf die deutsche Bildungslandschaft doch ein gewisser Hochdruck entstanden, der auch zu der Diskussion um das Turbo-Abi und G8 geführt hat. Müssen wir dem nicht Rechnung tragen?
 
KRAUS: Also G8 und PISA haben ja nun überhaupt nichts miteinander zu tun, im Gegenteil. PISA hätte ja bestätigt, dass wir mit unserem deutschen 9jährigen Gymnasium im internationalen Vergleich hervorragend dastehen. Es gibt keine Schulform auf der ganzen Welt, die diese Ergebnisse in PISA hat, nämlich PISA-Punktewerte um 600 und darüber. Das kann nicht der Grund gewesen sein. Hier ist man eher dabei, das Flaggschiff des deutschen Schulwesens mit PISA-Werten um die 600 Punkte auf Grund zu setzen.
 
LIMINSKI: Sind unsere Lehrpläne, Herr Kraus, nicht auch ein bisschen voller Leerlauf? Stunden fallen aus, Praktika werden verlangt, nachmittags herrscht hie und da Langeweile. Ist bei einer gewissen Straffung oder Entrümpelung der Lehrpläne das Turbo-Abi und G8 nicht leicht machbar?
 
KRAUS:
Also, was Unterrichtsausfall betrifft, da gebe ich ihnen vollkommen recht. Wenn wir keinen Unterrichtsausfall mehr hätten -  und der hat ja unterschiedliche Gründe - Lehrermangel ist einer der maßgeblichen Gründe. Wenn wir den nicht hätten, dann würden  wir besser dastehen. Wir haben innerhalb Deutschlands ein gigantisches Gefälle gehabt, noch im Jahr 2000 von bis zu einem Schuljahr. Am Ende der zehnten Klasse hat ein nordrhein-westfälischer Schüler 8500 Stunden Unterricht gehabt, ein bayerischer Schüler und ein baden-württembergischer Schüler bis zu 9500 Stunden. Das ist im Grunde genommen schon die Erklärung dafür, warum die einen besser und die anderen schlechter abschneiden. Aber was nun die Lehrpläne betrifft, ich glaube, da ist nun die Schmerzgrenze erreicht.  Gegenüber dem bisherigen G9 haben wir realiter verloren: etwa 200 Stunden Deutsch, 200 Stunden Mathematikunterricht, 300 Stunden Unterricht in der ersten Fremdsprache. Dementsprechend haben wir natürlich auch den Wortschatz beispielsweise in den Fremdsprachen drastisch reduziert, um 30 bis 40 Prozent. Also irgendwo ist die Decke erreicht, wo ich sagen muss, da ist keine fremdsprachliche Kompetenz mehr da. Darum gefällt mir der Begriff „Entrümpelung“ überhaupt nicht. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob in der Geschichte bestimmte Phasen so intensiv behandelt werden müssen, natürlich kann man darüber diskutieren,  ob zwei Arten von Würmern oder zwei Arten von Insekten besprochen werden müssen. Aber wenn ich da ein bisschen was rausnehme, habe ich noch lange kein Jahr eingespart. Unsere  Schüler müssen in dieser globalisierten Welt, wie man so schön sagt, schon auch sehr viel wissen. Da reicht es nicht, eine Ahnung zu haben, wie man bei Google oder Wikipedia etwas herunterlädt. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Und zur Mündigkeit eines jungen Menschen oder eines späteren Staatsbürgers gehört mit dazu, dass er auch einen breiten Wissensfund